
Tezos-Leitfaden
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Tezos: die selbstanpassende Blockchain
Tezos ist eine Layer‑1‑Blockchain (L1), vergleichbar mit Ethereum und Solana. Sie nutzt eine Variante des Proof‑of‑Stake‑Konsensmechanismus, um Transaktionen zu verarbeiten und das Netzwerk zu sichern. Was Tezos von anderen Blockchains unterscheidet, ist ihr einzigartiges Governance‑Modell, das es dem Protokoll ermöglicht, sich automatisch weiterzuentwickeln.
Kennzahlen
Startdatum: 2018
Total Value Locked (TVL): 32 Mio. USD (Stand: Dezember 2025)
Tägliche Transaktionen: 112.000 (inkl. interner Transaktionen, Stand: Dezember 2025)
Tezos auf einen Blick
Governance: Tezos ist eine sogenannte „selbstanpassende“ Blockchain. Sobald die Inhaber des nativen Tokens (XTZ) über ein Netzwerk‑Upgrade abstimmen und dieses genehmigen, wird es automatisch umgesetzt. Dieser Ansatz verhindert Abspaltungen der Blockchain, die zur Entstehung einer neuen Kryptowährung führen würden (wie etwa bei Bitcoin Cash) – sogenannte „Hard Forks“.
Robustheit: Seit dem Start im Jahr 2018 liegt die Verfügbarkeit des Netzwerks – also die Zeit, in der es ohne technische Unterbrechungen in Betrieb war – bei 99,99 %. Diese Betriebsstabilität ist vergleichbar mit der von Bitcoin, das als besonders widerstandsfähige Blockchain gilt.
Markenbekanntheit: Tezos hat seine Bekanntheit über die Krypto‑Community hinaus durch Partnerschaften mit prominenten Sportteams gesteigert, insbesondere durch das Sponsoring der Trainingskleidung des traditionsreichen englischen Premier‑League‑Klubs Manchester United.
Generative Kunst: Tezos hat sich als bedeutender Förderer computergenerierter Kunst etabliert, insbesondere durch den Start des wegweisenden Marktplatzes FXHash im Jahr 2021. Kürzlich fand in Berlin eine dreitägige Veranstaltung mit Ausstellungen von über 200 Künstlerinnen und Künstlern statt.
Protokollmechanismus
Beim Proof of Stake (PoS) müssen Teilnehmer – sogenannte Validatoren – eine bestimmte Menge des nativen Tokens der Blockchain hinterlegen oder „staken“, um Transaktionen verarbeiten zu dürfen. Als Gegenleistung erhalten sie Belohnungen in Form neu geschaffener Tokens, während unehrliches Verhalten mit finanziellen Sanktionen geahndet wird.
Die von Tezos verwendete Variante heißt Liquid Proof of Stake. „Baker“ müssen einen sogenannten „Roll“ von 8.000 XTZ (im Wert von rund 3.700 USD im Dezember 2025) staken, um am Konsensmechanismus teilzunehmen. Wer diese Schwelle nicht erreicht, kann seine Tokens an andere Baker delegieren und anteilig an den Belohnungen partizipieren. Der Begriff „liquid“ bezieht sich auf die Möglichkeit, delegierte Tokens anderweitig zu nutzen, etwa um über eine DeFi‑Anwendung wie ein Kreditprotokoll zusätzliche Erträge zu erzielen.
Kennzahlen

Performance seit Jahresbeginn (YTD): –61,7 % (Stand: Dezember 2025)
Marktkapitalisierung: 533 Mio. USD (Stand: Dezember 2025)
Historie
Arthur und Kathleen Breitman gründeten Tezos im Jahr 2014 und sammelten 2017 Kapital über ein Initial Coin Offering (ICO) – das Krypto‑Pendant zu einem Börsengang. Dabei wurden 232 Mio. USD eingeworben, ein damaliger Rekord. Die Blockchain ging im September 2018 live.
Wichtige Meilensteine
Mai 2019: Das Athens‑Update senkte den Mindest‑„Roll“ auf 8.000 XTZ und machte die Teilnahme am Konsensmechanismus zugänglicher.
März 2020: Das Carthage‑Update erhöhte die Transaktionskapazität von Tezos um 30 %.
Februar 2021: Das Edo‑Upgrade verbesserte den Datenschutz durch die Einführung von Zero‑Knowledge‑Proofs, die es einer Partei ermöglichen, etwas zu beweisen, ohne die genauen Informationen offenzulegen (vergleichbar mit dem Altersnachweis ohne Vorlage eines Ausweises).
September 2022: Das Kathmandu‑Update bereitete das Protokoll auf Rollups vor, die durch die Verarbeitung von Transaktionen auf einer Layer‑2‑Blockchain (L2) Netzwerküberlastungen reduzieren – ein wichtiger Schritt für die Skalierbarkeit.
März 2023: Das Mumbai‑Update aktivierte die Rollups.
Juni 2024: Das Paris‑Update verkürzte die Blockzeit – die durchschnittliche Zeit zur Erstellung eines neuen Transaktionsblocks – auf 10 Sekunden und verbesserte damit die Skalierbarkeit weiter.
Januar 2025: Das Quebec‑Update senkte die Blockzeit auf acht Sekunden.
Februar 2025: Tezos startete Etherlink, ein eigenes L2‑Netzwerk, das mit der Ethereum Virtual Machine (EVM) kompatibel ist – der Software, auf der Ethereum basiert.
Ausblick
Im Juni 2024 stellte Tezos seine Vision für die Zukunft des Protokolls unter dem Namen Tezos X vor. Anstatt auf eine Vielzahl von L2‑Lösungen zu setzen (wie bei Ethereum), verfolgt Tezos X das Ziel, eine einzige L2 zu schaffen, die sämtliche auf der L1‑Blockchain verarbeiteten Transaktionen bewältigen kann – mit dem Anspruch, bis zu 1 Million Transaktionen pro Sekunde (TPS) zu erreichen. Zum Vergleich: Visa verarbeitet bis zu rund 83.000 TPS.
Um die Interoperabilität – also die Interaktion zwischen verschiedenen Blockchains – zu fördern, sollen Entwickler unterschiedliche Programmiersprachen nutzen können, um Smart Contracts zu erstellen. Dabei handelt es sich um Programme, die automatisch ausgeführt werden, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind (vergleichbar mit einem Verkaufsautomaten). Smart Contracts bilden die Grundlage für dezentrale Anwendungen (dApps).
In Bezug auf Etherlink erklärte Mitgründer Arthur Breitman in einem Interview mit CoinShares im April 2025, dass die anfängliche Dynamik vor allem von DeFi‑Anwendungen wie dezentralen Börsen und Kreditprotokollen sowie von Memecoins und Gaming‑Projekten ausgehe. Tezos versucht, die Beteiligung an seinem DeFi‑Ökosystem durch ein Anreizprogramm namens Apple Farm zu fördern. Die erste „Saison“ generierte ein TVL von 50 Mio. USD – eine Kennzahl zur Messung des in den dApps des Netzwerks gebundenen Kapitals. Die zweite Saison startete im Juli 2025 mit einem Belohnungspool von 3 Mio. USD.
CoinShares‑Analyse
Tezos profitiert von einem starken Governance‑Modell und einem robusten Netzwerk. Dennoch steht die Blockchain trotz des Wachstumsimpulses durch Etherlink im Wettbewerb mit Rivalen, die bereits eine deutlich höhere Marktdurchdringung erreicht haben.
Stärken
Der einzigartige Governance‑Mechanismus von Tezos verhindert potenziell disruptive Hard Forks und vermeidet so die Schaffung eines neuen Tokens sowie Spaltungen innerhalb der Community. Zudem bietet er dApp‑Entwicklern eine hohe Planungssicherheit.
Das Tezos‑Netzwerk hat seit dem Start 2018 eine hohe Stabilität und Widerstandsfähigkeit bewiesen und weist eine Verfügbarkeit von 99,99 % auf.
Schwächen
Nach eigener Aussage von Arthur Breitman entwickelte sich Tezos in den Anfangsjahren nicht schnell genug und fiel 2019 und 2020 hinter die Konkurrenz zurück. Seiner Einschätzung nach befindet sich die Blockchain weiterhin in einer Aufholphase.
Breitman räumt zudem ein, dass Tezos unter einer geringen Nutzeradoption leidet, was sich auch in der Marktkapitalisierung widerspiegelt. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer liegt deutlich unter der führender Blockchains (Stand: Dezember 2025).
Chancen
Etherlink unterstützt den Ausbau des Tezos‑Ökosystems, insbesondere im DeFi‑Bereich, wo das TVL im dritten Quartal 2025 um 13 % wuchs. Dieses Wachstum wurde maßgeblich von Youves getragen, einer Plattform zur Erstellung und Verwaltung digitaler Vermögenswerte.
Ein DeFi‑Anwendungsfall, bei dem Tezos einen gewissen Vorsprung hat, ist die Tokenisierung realer Vermögenswerte – ein Markt mit einem potenziellen Volumen von bis zu 30 Billionen USD. Tokenisiertes Uran wurde im Dezember 2024 erstmals auf Tezos gehandelt.
Risiken
Tezos könnte es schwerfallen, seinen Marktanteil angesichts der Konkurrenz von Blockchains mit bereits hoher Akzeptanz auszubauen.
Sollte Tezos seine ambitionierte Zukunftsvision nicht umsetzen können, könnten langfristig Zweifel an der Tragfähigkeit des Netzwerks entstehen.
