
Marktupdate – 7. August 2026
3 Min. Lesezeit
- Finanzen
- Bitcoin
Bitcoin: Die Tiefpunkte liegen wahrscheinlich hinter uns, die Höchststände nicht
Die jüngste Erholung von Bitcoin war eng mit einer Verschiebung der Zinserwartungen verknüpft. Seit dem 29. Juli haben die Märkte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen in diesem Jahr deutlich reduziert, was länger laufenden Anlagen Rückenwind verschafft. Diese Verschiebung scheint teilweise mit der Hoffnung zusammenzuhängen, dass sich der Konflikt mit Iran einer Lösung nähern könnte, zusammen mit etwas schwächeren US-Konjunkturdaten.
Öl bleibt für den Ausblick zentral. Jede Entspannung der geopolitischen Spannungen würde den Druck auf Energiepreise und Inflationserwartungen verringern und damit den Bedarf an weiterer geldpolitischer Straffung senken. Umgekehrt würde eine erneute Eskalation diese Unterstützung schnell wieder umkehren. Bitcoin reagiert weiterhin stärker auf die Auswirkungen des Konflikts für Inflation und Zinsen als auf die geopolitischen Schlagzeilen selbst.
Auch die US-Beschäftigungsdaten haben sich abgeschwächt. Die JOLTS-Zahlen deuteten auf eine schwächere Arbeitskräftenachfrage hin, während der erwartete Anstieg der Einstellungen im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft nicht im erwarteten Ausmaß eingetreten ist. Das gesamte Beschäftigungsbild beginnt daher weniger robust zu wirken, was dazu beiträgt, dass die Zinserhöhungserwartungen sinken. Die heute veröffentlichten Beschäftigungszahlen bestätigten diese Einschätzung, da eine deutliche Verfehlung nach unten den eher taubenhaften Mitgliedern der US-Notenbank ein stärkeres Argument für eine akkommodierendere Geldpolitik liefert. Die Terminmärkte reagierten, indem sie die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen später im Jahr reduzierten, während die Bitcoin-Kurse im Tagesverlauf positiv reagierten – ein Beleg dafür, wie wichtig Makrodaten für diese Anlageklasse sind.
Auch die Marktstruktur verbessert sich. Bitcoin-Wale haben seit Oktober 2025 rund 40 Milliarden US-Dollar verkauft und damit eine der größten Quellen des Angebotsdrucks im aktuellen Zyklus geschaffen. Inzwischen haben wir drei aufeinanderfolgende Wochen mit moderater Akkumulation durch Wale gesehen. Dies deutet darauf hin, dass die Verteilungsphase nun endlich zu Ende gehen könnte, was dem Muster entspricht, das an ähnlichen Punkten früherer Vierjahreszyklen zu beobachten war.
Auch die Fondsflüsse zeigen einen ähnlichen Stimmungswandel. Digitale Anlageprodukte haben in dieser Woche bislang Zuflüsse von 1,05 Milliarden US-Dollar verzeichnet, was die fünfte positive Woche in Folge markieren würde. Dem war eine achtwöchige Phase vorausgegangen, in der Anleger einen Rekordbetrag von 8 Milliarden US-Dollar abgezogen haben. Die Umkehr ist noch nicht vollständig eindeutig, ähnelt aber zunehmend einer Kapitulation mit anschließender früher Wiederakkumulation und nicht dem Beginn eines längeren strukturellen Rückgangs.
Unsere Einschätzung bleibt, dass die Tiefpunkte des Zyklus wahrscheinlich bereits hinter uns liegen. Dies bedeutet keine unmittelbare Rückkehr zu einem starken Aufwärtstrend. Bitcoin dürfte sich in den nächsten zwei bis drei Monaten eher seitwärts bewegen, wobei ein Anstieg in Richtung 80.000 US-Dollar möglich ist, ein nachhaltiger Ausbruch darüber jedoch schwerfallen dürfte. Ein dauerhafterer Anstieg in Richtung 100.000 US-Dollar würde wahrscheinlich eine deutlichere Verschlechterung der Beschäftigungsdaten und eine spürbarere Reduzierung der Zinserwartungen voraussetzen.
Derzeit deutet nichts auf ein baldiges Eintreten hin. Der Iran-Konflikt bleibt weiterhin hochgradig ungewiss, während die Fed bislang wenig Bereitschaft gezeigt hat, eine lockerere Ausrichtung zu signalisieren. Das Jackson-Hole-Symposium später in diesem Monat dürfte einen klareren Hinweis auf den geldpolitischen Ausblick liefern, wobei wir keine besonders taubenhafte Botschaft erwarten.
CLARITY Act mit ungewissem Ausgang
Auch die regulatorischen Fortschritte haben sich abgeschwächt. Stand 6. August räumt Polymarket dem CLARITY Act nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 14 % ein, in diesem Jahr Gesetz zu werden. Coindesk bestätigte heute, dass der Senat vor der Sommerpause nicht darüber abstimmen wird. Sobald die Abgeordneten zurückkehren, dürfte sich die Aufmerksamkeit rasch auf die Zwischenwahlen richten.
Eine Verzögerung würde Ethereum, Stablecoin-bezogene Projekte und den breiteren Token-Markt am stärksten belasten, wo gesetzliche Klarheit wichtiger bleibt als für Bitcoin. Allerdings scheint es sich eher um ein Zeitproblem als um eine grundsätzliche Kehrtwende in der US-Kryptopolitik zu handeln. Die Unterstützung für eine Marktstrukturgesetzgebung ist zunehmend überparteilich, auch weil Stablecoin-Emittenten eine wachsende Nachfragequelle für US-Staatsanleihen darstellen.
Der zentrale politische Streitpunkt betrifft ethische Fragen und ob gewählte Amtsträger eigene Kryptowährungen lancieren und davon profitieren dürfen. Diese Debatte sollte von der breiteren Argumentation für eine glaubwürdige Infrastruktur für digitale Vermögenswerte getrennt betrachtet werden. Selbst wenn sich der CLARITY Act ins nächste Jahr verschiebt, bleibt die zugrunde liegende regulatorische Richtung konstruktiv.
Veröffentlicht amAug 7th, 2026