
Was sind Altcoins? Ein Überblick jenseits des Bitcoin
17 Min. Lesezeit
- Finanzen
- Altcoins
Bitcoin (BTC) mag zwar die ursprüngliche Krypto sein, dennoch sollten Sie Altcoins nicht unterschätzen. Auch wenn sie nicht die gleiche Langlebigkeit und Marktkapitalisierung aufweisen, tragen viele der Protokolle und Anwendungen, die diese Token ausgeben, zu den Innovationen bei, die der Blockchain-Technologie dabei helfen, sich als potenzielle Grundlage der zukünftigen Web-Generation zu etablieren. In diesem Artikel erklären wir, wie sich Altcoins von BTC unterscheiden und welchen Platz sie in einem Krypto-Portfolio einnehmen könnten.
Was genau ist ein Altcoin?
Einfach gesagt – jede Krypto, die kein BTC ist. Die Bezeichnung von Altcoins als Sammelbegriff kann jedoch missverständlich sein, da das Krypto-Universum äußerst umfangreich ist. An einem Ende des Spektrums befinden sich native Token, die von Protokollen ausgegeben werden und als Infrastruktur für eine neue digitale Wirtschaft dienen, wie z. B. Ethereum, Solana und Avalanche, ebenso wie dezentrale Anwendungen (dApps), die die traditionellen Finanzen (TradFi) revolutionieren. Einige dieser Anwendungsfälle werden wir im weiteren Verlauf des Artikels näher betrachten. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich Kryptos mit einem geringeren Nutzen, wie Memecoins, also Token, die von Internet-Memes inspiriert wurden (bei DOGE war dies ein japanischer Hund namens Kabosu).
Aus Sicht von Investitionen können Altcoins zur Diversifizierung Ihres Portfolios beitragen. Sie sind eher als Ergänzung zu BTC gedacht und nicht als Konkurrenz. Neuere Projekte sind mit Start-ups vergleichbar, da sie hohe Risiken, jedoch auch hohe Gewinnchancen bieten. Durch den Verkauf ihrer nativen Token über die Krypto-Version eines Börsengangs generieren sie finanzielle Mittel und machen diese Möglichkeiten im Gegensatz zu Private Equity auch für Privatanleger zugänglich. Bewährte Projekte wie Ethereum sind eher mit Small-Cap-Aktien vergleichbar, die zwar volatil sein können, dafür jedoch auch ein erhebliches Aufwärtspotenzial bieten (wie beispielsweise Netflix in den frühen 2000er-Jahren).
Einige der größten Akteure im Bereich der Finanzen experimentieren mit der Blockchain-Technologie, um ihr Effizienzpotenzial zu testen. BlackRock launchte im März 2024 seinen ersten tokenisierten Geldmarktfonds BUIDL auf Ethereum, dessen verwaltetes Vermögen bis Oktober 2025 auf 2,8 Mrd. USD angewachsen ist. Erst kürzlich hat zudem die Société Générale Ethereum und Solana für die Ausgabe ihres geplanten Stablecoins USDCV ausgewählt.
Wodurch unterscheiden sich Altcoins von BTC?
Bitcoin ist als erste Krypto die Benchmark, an der Investoren andere Token messen – daher ist es sinnvoll, die Unterschiede zu verstehen.
Der pseudonyme Gründer Satoshi Nakamoto konzipierte BTC als Tauschmittel mit einer entsprechenden grundlegenden Infrastruktur. Das System ist stark dezentralisiert – Tausende von Computern, sogenannte Nodes, betreiben die Software, auf der BTC basiert – und der Konsensmechanismus, der dafür sorgt, dass das gesamte Netzwerk über die Transaktionsaufzeichnungen einig ist, erhöht zusätzlich die Sicherheit, indem Angriffe unerschwinglich teuer werden. Inzwischen ist Bitcoin jedoch ausgereift und hat sich aufgrund seiner beschränkten Menge (21 Mio., um genau zu sein) einen Ruf als digitales Gold gemacht. Aufgrund seiner Portabilität glauben einige, dass es als Wertanlage dienen könnte, obwohl der Preis nach wie vor sehr volatil ist.
Altcoins hingegen decken ein viel breiteres Spektrum an Anwendungsfällen ab. Die Anwendungen werden durch Smart Contracts ermöglicht, das sind Verträge, die automatisch ausgeführt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Eingeführt wurde dieses Konzept im Jahr 2015 mit Ethereum. Durch Smart Contracts entfällt die Notwendigkeit von Zwischenhändlern bei Transaktionen, weshalb sie häufig mit Verkaufsautomaten verglichen werden: Man tätigt eine Zahlung und erhält im Gegenzug eine Tafel Schokolade oder eine Flasche Wasser von der Maschine. Keine menschliche Interaktion erforderlich.
Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen BTC und Altcoins besteht in ihrer Finanzierung. Bitcoin wurde zu Beginn vor allem von der aufstrebenden Krypto-Community finanziert – doch in den letzten fünf Jahren haben auch Spekulanten und institutionelle Anleger zum Wachstum beigetragen. Im Gegensatz dazu werden viele der Altcoins von Unternehmen oder Stiftungen ausgegeben, die von Einrichtungen wie Venture-Capital-Firmen (VCs) unterstützt werden.
Bevor wir fortfahren, noch eine Warnung: Seien Sie vorsichtig bei Altcoins, die behaupten, besser als BTC zu sein. Da könnte man die Opfer der berüchtigten „Krypto-Königin“ Ruja Ignatova befragen, die 2014 OneCoin auf den Markt brachte.
„In zwei Jahren wird niemand mehr über Bitcoin reden!“, sagte sie 2016 im Londoner Wembley-Stadion vor Publikum. Ein Jahr später tauchte Ignatova ab und hinterließ den Anlegern Vermögensverluste in Milliardenhöhe.
Die Altcoin-Anlagemöglichkeiten
Da Sie nun ihr breiteres Anwendungsspektrum verstehen, wollen wir uns einige der Projekte genauer ansehen, die die neue digitale Wirtschaft vorantreiben.
Smart-Contract-Plattformen: Ethereum mag zwar ein Pionier im Bereich der Smart Contracts sein – doch mehrere Protokolle sind diesem Beispiel bereits gefolgt, darunter Solana und Avalanche. Smart-Contract-Plattformen bieten die Infrastruktur für die unten aufgeführten Anwendungsfälle sowie für weitere, wie etwa nicht fungible Token – die einen bestimmten Gegenstand wie beispielsweise ein Kunstwerk repräsentieren – oder die Tokenization realer Vermögenswerte.
Stablecoins: Stablecoins gehören zu den Killer-Apps der Blockchain-Technologie. Sie machen sich die Geschwindigkeit, die niedrigen Gebühren und die Inklusivität von Krypto zunutze, um internationale Transaktionen kostengünstiger zu machen und Menschen in Entwicklungsländern Sparprodukte anzubieten. Die größten Coins nach Marktkapitalisierung sind USDT und USDC, gestützt durch Dollar und auf Dollar lautende Vermögenswerte.
Dezentrales Finanzwesen (DeFi): DeFi-Anwendungen revolutionieren TradFi, senken durch die Möglichkeit direkter Transaktionen zwischen den Parteien die Kosten und vereinfachen den Zugang zu Finanzdienstleistungen, beispielsweise für Menschen ohne offizielle Ausweisdokumente. Plattformen wie Aave und Pendle bieten die Möglichkeit, Kredite zu vergeben und aufzunehmen – während Uniswap eine beliebte dezentrale Krypto-Börse darstellt.
Zahlungen: Eine der ersten Krypto, Litecoin, wurde auf der Grundlage der Architektur von Bitcoin entwickelt, jedoch mit der Intention, einige Schwächen des Vorgängers hinsichtlich seiner Eignung als Tauschmittel – vor allem aber die mangelnde Skalierbarkeit – zu beheben. Mit einem Update im Jahr 2022, das man nach einem Zauberspruch aus Harry Potter benannte, wurden zudem auch Datenschutzbedenken adressiert. Ein weiteres frühes Krypto-Projekt namens Ripple zielte darauf ab, mit dem globalen Zahlungsnetzwerk SWIFT zu konkurrieren, das täglich Transaktionen in Höhe von mehreren Billionen US-Dollar abwickelt.
Memecoins: Memecoins: Während ihre Nützlichkeit zwar fragwürdig sein mag, so tragen Memecoins doch dazu bei, ein Gemeinschaftsgefühl im Krypto-Ökosystem zu schaffen – so haben DOGE-Inhaber bereits Spenden für verschiedene Zwecke gesammelt, beispielsweise für Brunnen in Kenia. Darüber hinaus haben Memecoins, auch wenn sie von BTC-Maximalisten oft als „Shitcoins“ bezeichnet werden, bereits eine Marktkapitalisierung von 57 Mrd. USD (Stand: Oktober 2025) erreicht.
Risiken von Investitionen in Altcoins
Bevor man Altcoins in sein Portfolio aufnimmt, sollte man sich natürlich der Risiken bewusst sein. Auch wenn BTC als volatil gilt, unterliegen Altcoins aufgrund ihrer geringeren Marktkapitalisierung und Liquidity tendenziell noch stärkeren Schwankungen. Während der massiven Liquidation von Positionen im Oktober 2025 – ausgelöst durch die Gefahr eines neuen Handelskriegs zwischen den USA und China – fiel der Bitcoin laut Reuters um 14 %, das Avalanche-Protokoll hingegen sogar um 70 %. Ethereum entwickelte sich (mit einem Rückgang um 12 %) jedoch ähnlich wie BTC. Daher wird es von CoinShares eher weniger als Altcoin eingestuft.
Altcoins bergen aufgrund ihres spekulativen Charakters zudem ein viel höheres Ausfallrisiko als BTC. Mehr als 50 % der fast sieben Millionen Coins, die seit 2021 auf CoinGecko gelistet wurden, sind mittlerweile verschwunden. Einige Projekte waren nicht erfolgreich (ähnlich wie Start-ups in der Anfangsphase), andere wurden nur ins Leben gerufen, um ahnungslosen VCs und Kleinanlegern Geld zu entlocken.
Ein weiteres bedeutendes Risiko besteht in den uneinheitlichen und sich stetig wandelnden regulatorischen Umwelt von Krypto, die die Anleger verunsichert. So stuft etwa die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission BTC, ETH und Litecoin als Rohstoffe ein, während die Securities and Exchange Commission vor kurzem langjährige Vorwürfe gegen die Krypto-Börsen Binance und Coinbase zurückwies, weil diese mehrere Coins unterstützt hatten, die ihrer Meinung nach als Security Tokens hätten registriert werden müssen. Gleichzeitig werden sowohl Bitcoin als auch Altcoins in der EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Werte (Markets In Crypto Assets, MiCA) als „Krypto-Assets“ (Krypto-Vermögenswerte) eingestuft.
Schließlich sind dApps für Ausfälle und Sicherheitsverletzungen anfällig. Die führenden Blockchains hatten beide im Sommer 2025 Ausfallzeiten – TON mit sechs Stunden und Polygon mit einer Stunde – während Venus Protocol, eine auf der Binance-Chain basierende Kreditplattform, nach einem Hackerangriff auf einen ihrer Smart Contracts Anfang September 2025 Verluste in Höhe von 27 Mio. USD verzeichnete.
Fazit: Die Bezeichnung „Altcoin“ wird der Kategorie nicht gerecht.
Lassen Sie sich nicht täuschen: Es wird keinen zweiten Bitcoin geben. Doch das Universum der Altcoins ist groß. Einige dieser Token könnten zu den Trägern des Finanzsystems von morgen werden. Darum ist es unerlässlich, eigene Nachforschungen anzustellen und zwischen den Token zu differenzieren, die entscheidenden Infrastrukturen und Dienste bereitstellen – und jenen, die eher spekulativer Natur sind.

