
Tokenization: vom Konzept zur Infrastruktur
4 Min. Lesezeit
- Bitcoin
In den Neuigkeiten:
Im Jahr 2026 sollen zwei Tokenization-Plattformen an die Börse gehen: Securitize mittels einer 1,25 Milliarden US-Dollar starken SPAC von Cantor Fitzgerald sowie tZERO im Rahmen eines traditionellen Börsengangs.
Heute möchten wir uns Securitize widmen, einem Unternehmen, das bereits Vermögenswerte im Wert von mehr als 4 Milliarden US-Dollar tokenisiert und den BUIDL-Fonds von BlackRock verwaltet hat – der bislang größten Tokenization von realen Vermögenswerten (RWA). Reale Institutionen. Realer Flow.
Securitize tokenisiert nun sein Eigenkapital und notiert es auf seiner eigenen Plattform. Sollte dies gelingen, wird jeder Finanzmanager davon Kenntnis nehmen.
An der 225 Millionen US-Dollar schweren PIPE-Finanzierung (Private Investment in Public Equity) beteiligen sich Arche, Borderless Capital und Hanwha, während ARK, BlackRock, Hamilton Lane, Morgan Stanley und Tradeweb ihre bestehenden Anteile halten. Bei diesen Parteien handelt es sich um marktbestimmende Akteure und nicht etwa um spekulative Krypto-Investoren.
Der Hintergrund ist beachtlich. Circle stieg bei seinem Börsengang um 167 %. Gemini und Bullish wurden beide in diesem Jahr gelistet. Im Juli wurde der GENIUS Act verabschiedet. Sollte die Haushaltssperre der USA aufgehoben werden, wird das US-Haushaltsgesetz für das erste Quartal bekannt gegeben. Das Fenster öffnet sich, die regulatorischen Rahmenbedingungen klären sich, und das Kapital kommt in Bewegung.
Cantor Fitzgerald, der Schöpfer der Securitize SPAC, ist bekanntermaßen wenig an symbolischen Geschäften interessiert. Das Unternehmen strukturiert gleichzeitig eine 4 Milliarden US-Dollar schwere SPAC mit Blockstream Capital, nachdem es im April 2025 bereits ein 3,6-Milliarden-USD-Joint-Venture mit SoftBank und Tether eingegangen war. Insgesamt könnten die Krypto-Transaktionen von Cantor im Jahr 2025 bis zu 10 Milliarden US-Dollar erreichen. Das Unternehmen baut ein Portfolio auf, das sowohl Bitcoin als auch tokenisierte Wertpapiere als zentrale Marktinfrastruktur der Zukunft statt als Randgeschäfte behandelt, und positioniert sich damit in allen Bereichen – von Bitcoin-Treasury-Unternehmen bis hin zu Tokenization-Plattformen.
Die Stunde der Infrastruktur
Die Vorschriften haben sich geändert. Der Markt ist aufgeschlossen. Das Kapital ist in Bewegung.
Ich habe seit Jahren auf die Tokenization gesetzt. Die Vision war schon immer klar, die Infrastruktur jedoch nicht. Wertpapiere lassen sich nicht skalierbar tokenisieren, solange die Verwahrung nicht stabil ist, keine Abwicklungssysteme existieren und die Aufsichtsbehörden aufgrund unterschiedlicher Rechtsauffassungen nicht entscheiden können, ob ein Token nun ein Wertpapier ist oder nicht.
Doch die Welt hat sich verändert. Die Systeme sind jetzt funktionsfähig. Die Verwahrung entspricht institutionellen Standards. Die Smart-Contract-Sicherheit ist von einer zweitrangigen Überlegung zur Standardpraxis geworden: formale Verifizierung, Audit-Protokolle und Bug-Bounties, die Sicherheitslücken identifizieren, bevor sie zum Problem werden. Die Abwicklung erfolgt on-chain mit einem Maß an Endgültigkeit, das traditionelle Märkte nicht bieten können. Die Regulierung ist endlich so eindeutig, dass seriöse Unternehmen Geschäftsmodelle entwickeln können, ohne Compliance-Teams einstellen zu müssen, die sich mit der SEC auseinandersetzen.
Die These war immer einfach:
Wenn sich Eigentumsrechte digital darstellen lassen und dabei Programmierbarkeit integriert ist, entfallen ganze Ebenen intermediärer Instanzen. Keine Transferagenten. Keine verwahrenden Banken, die den Papierkram erledigen. Keine T+2-Abwicklungsverzögerungen. Einfach nur klar definierte, sofortige und überprüfbare Eigentumsrechte, die sich mit dem Tempo der Informationsübertragung bewegen.
Doch das Timing ist entscheidend. Wer zu früh einsteigt, verspielt Kapital, um den Markt zu schulen, während die Infrastruktur sich noch entwickelt. Während BlackRock nun in großem Maßstab Tests durchführt, große Banken die Verwahrung in der Produktion übernehmen, öffentliche Märkte hungrig nach Engagements sind und Investoren auf Basis realer Vermögenswerte Kredite aufnehmen wollen, verändert sich die Dynamik zwischen Risiko und Ertrag vollkommen.
Bis Ende 2026 wird die Tokenization nicht mehr nur ein Thema, sondern Teil der Infrastruktur sein. Die Frage lautet nicht, ob, sondern vielmehr, von wem die Netze betrieben werden und ob die heutigen Börsenplattformen bereits frühzeitig ausreichend Volumen generieren, um ihre dominante Stellung zu behaupten.
Cantor bleibt sich treu und diversifiziert seine Einsätze gemäß dem Ratschlag von John Bogle: „Suchen Sie nicht nach der Nadel im Heuhaufen. Kaufen Sie den Heuhaufen.“
Wieder einmal könnten sich Wahlmöglichkeiten als cleverer Schachzug erweisen.

