
Gleiche Grundlagen, veränderte Teilnehmer
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Wir erleben derzeit eine Phase tiefgreifender Dissonanz. Die Kryptomärkte zeigen erneut eine erhöhte Volatilität, die weniger von Grundlagenfaktoren als vielmehr von Spekulationen und Stimmungszyklen bestimmt wird.
Dennoch verbirgt sich hinter den derzeitigen Spannungen ein tiefergehender struktureller Wandel: ein Übergang.
Von Privatanlegerwirbel bis hin zur Reifung der Makro-Vermögenswerte
Der Wirbel ist nun weniger auf von Privatanlegern gesteuerte Zyklen zurückzuführen, sondern vielmehr auf makroökonomische Kräfte: Liquidity-Dynamik, institutionelle Kapitalflüsse, Regulierung und makroökonomische Unsicherheit. Wie in einer Analyse der Entwicklung von Bitcoin im Mai 2025 festgestellt wurde, durchläuft der Vermögenswert „eine schwierige Reifephase“. Nicht als spekulatives Randphänomen, sondern als makroökonomisch sensibler Vermögenswert, der sich dem Rhythmus von globalem Kapital, Zentralbankpolitik und institutionellen Allokationstrends anpasst.
Als im Laufe des letzten Jahres die Volatilität stark anstieg und die Liquidity abnahm, reduzierten viele langfristige Inhaber still und leise ihre Positionen. Dieser Wandel von reiner Überzeugung zu vorsichtiger Justierung signalisierte einen Wendepunkt. Der Markt wird nicht mehr ausschließlich von Glaubens- und Kultsätzen angetrieben, sondern verlangt zunehmend nach Grundlagenfaktoren des Kapitalmarktes: Tiefe, Infrastruktur, institutionelle Ausführung und regulatorische Klarheit.
Liquidity und Risiko: Fragilität vor Struktur
Der jüngste Drawdown war schmerzhaft, aber lehrreich. Bitcoin (und der Kryptomarkt im Allgemeinen) verhält sich eher wie ein Makro-Vermögenswert mit hohem Beta-Faktor als wie ein auf Privatanleger ausgerichteter „Tinkerbell-Effekt“.
Die Liquidity ist zurückgegangen. Der Umfang der Order Books ist fragiler geworden, was bedeutet, dass Zwangsverkäufe und Margin Calls nun in engen Handelskorridoren nachwirken.
Dies wirft wichtige strukturelle Fragen auf, unterstreicht aber auch ein wesentliches Merkmal ausgereifter Makro-Vermögenswerte: Drawdowns bedeuten nicht zwangsläufig eine dauerhafte Risikominderung. Vielmehr sind sie Teil des Übergangs von überzeugungsgetriebener Spekulation zu allokationsgesteuerter Kapitaleffizienz.
Institutionelle Nachfrage, regulatorische Klarheit und reale Flüsse
Trotz kurzfristiger Instabilität bleiben einige mittel- und langfristige Trends positiv:
Institutionelle Rahmenbedingungen: Verwahrung, Ausführung und Berichtsstandards verbessern sich weiter. Die regulatorische Klarheit steigt, wodurch sich der Fokus der Investoren von reinen Narrativen hin zu einem um Sicherheit und Compliance bereinigten ROI verlagert.
Makroökonomischer Rückenwind: Geopolitische Unsicherheit, globale Geldschwemme und Fragen zur Tragfähigkeit der Staatsfinanzen begünstigen zunehmend knappe, nichtstaatliche Vermögenswerte. Viele Allokatoren sind der Meinung, Bitcoin funktioniere weniger als Aktie, sondern eher als „digitales Gold“.
Während sich langfristige Inhaber allmählich neu orientieren, dürfte das Kapital von Institutionen und Corporate Treasuries einen größeren Anteil an der Eigentümerbasis einnehmen, was eine langfristige Stabilität fördert, die eher den Konjunkturzyklen als reinen Spekulationszyklen entspricht.
Gerade in solchen Momenten – in denen Überzeugungen ins Wanken geraten, sich aber die strukturelle Entwicklung verfestigt – profitieren Unternehmen mit soliden Bilanzen, einer institutionellen Infrastruktur und einer klaren langfristigen Perspektive.
Wir glauben, dass die kommenden Jahre Unternehmen im Bereich digitaler Vermögenswerte zugutekommen werden, die sich nicht auf tickergetriebene Kursanstiege verlassen, sondern stattdessen auf eine stabile Infrastruktur, Governance, regulatorische Vorbereitung und transparente Ausführung setzen.
Ein Blick in die Zukunft: Zweckmäßige Volatilität
Wir stehen wahrscheinlich vor einer Phase der Seitwärtsbewegung, da die Märkte noch an den jüngsten Schwankungen zu kauen haben und auf neue Impulse warten. Das ist nicht unbedingt negativ zu verstehen. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Konsolidierung – eine natürliche Pause, die es Institutionen ermöglicht, methodisch Engagements aufzubauen, während sich Privatanleger neu positionieren.
Volatilität bleibt auch weiterhin ein Merkmal dieser Anlageklasse: manchmal heftig, gelegentlich unangenehm, aber zunehmend zweckmäßig. Sie ist Teil von Kryptos Entwicklung – von der Phase des Heranwachsens hin zur institutionellen Reife. Die treibenden Signale früherer Zyklen (Hype, FOMO, Privatanleger im Kaufrausch) schwinden; die Dynamiken, die jetzt zählen, sind Kapitalflüsse, Liquidity, Marktstruktur und makroökonomische Ausrichtung.
Auch die geopolitische Lage wird zu einem entscheidenden Faktor. Allein dass sowohl China als auch die Vereinigten Staaten aktiv um beschlagnahmte Bitcoin-Vermögenswerte streiten, die sie einst als irrelevant abgetan hatten, spricht Bände. Regierungen positionieren sich. Institutionen nehmen Allokationen vor. Die Infrastruktur entwickelt sich weiter.
Digitale Vermögenswerte sind keine Instrumente für ultrakurzfristigen Handel. Vielmehr sind sie langfristige Investitionen, die in unsicheren Zeiten Überzeugung erfordern. Volatilität und Konsolidierung gehören zu dieser Entwicklung dazu. Die eigentliche Herausforderung für Anleger besteht darin, auch bei schwankender Stimmung an ihrer Grundthese festzuhalten. Die Grundlagen sind die gleichen. Nur die Teilnehmer haben sich verändert. Und genau darauf kommt es letztendlich an.

