Research

Bitcoin und die Inflation: Auf dem Weg zu einem Sachwert

By   James Butterfill 21st June 2021
  • Die Inflation ist zurück, was sich bei den Erzeugerpreisen abzuzeichnen beginnt, die von steigenden Rohstoffpreisen beeinflusst werden. Mit 7,1 % in den Industrienationen befinden wir uns damit nun in Bezug auf historische Daten im 90. Perzentil.
  • Das Lohnwachstum war während der Pandemie ungewöhnlich hoch und wurde durch die Entlassung von gering bezahlten Arbeitern verzerrt. Im Zuge der Wiedereinstellung dieser Arbeiter werden die Löhne in den kommenden Monaten wohl eher sinken als steigen.
  • Die Daten lassen den Schluss zu, dass Bitcoin beginnt, seine Rolle als Inflationsschutz auszufüllen. Stellt man die Kursschwankungen von Bitcoin den Inflationsschwankungen gegenüber, zeigt sich, dass diese Beziehung statistisch signifikant wird.
  • Wir sind uns nach wie vor nicht sicher, wie sich die Inflation in den kommenden fünf Jahren entwickeln wird. Wir halten es jedoch für klug, Sachwerte in ein Portfolio aufzunehmen, um es vor dem Risiko zu schützen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät.

Langsam gibt es Anzeichen für ein potenzielles Inflationsproblem, allen voran die angespannten Beschäftigungsbedingungen (und der damit verbundene Lohnanstieg) sowie weltweit steigende Erzeugerpreise. Die Meinung der Investoren lässt sich jedoch weiterhin in zwei Kategorien aufteilen: Ein Teil glaubt, dass die Inflationsauswirkungen von vorübergehender Natur sind, der andere, dass die Inflation so stark steigen wird, dass sie zu einer Bedrohung für die wirtschaftliche Stabilität wird.

Daten zur weltweiten Inflation zeigen, dass diese aus historischer Sicht derzeit gar nicht so hoch ist. Die aktuellen Stände ähneln denen nach der Finanzkrise von 2008. Diese liegen seit 1970 nur im 55. Perzentil. Es sind vor allem die Erzeugerpreise, die von steigenden Rohstoffpreisen beeinflusst werden, wo sich die Inflation von ihrer hässlichen Seite zeigt. Mit 7,1 % in den Industrienationen befindet sich diese im 90. Perzentil.


In der COVID-Erholungsphase fällt die Arbeitslosigkeit nun sehr viel schneller als nach der weltweiten Finanzkrise, weshalb sich der Arbeitsmarkt langsam aufheizt. Dies lässt den Rückschluss zu, dass das Lohnwachstum dem voraussichtlich folgen wird, was sich dieses Jahr bereits in den USA abzeichnet. Das Lohnwachstum war während der Pandemie zwar ungewöhnlich hoch, wurde jedoch durch die Entlassung von gering bezahlten Arbeitern verzerrt. Im Zuge der Wiedereinstellung dieser Arbeiter ist es wahrscheinlich, dass das Lohnwachstum in den kommenden Monaten sinkt, statt steigt.

Es ist deshalb sehr schwierig zu beurteilen, ob ein Inflationsanstieg kurz bevorsteht. Es bestehen Engpässe, die durch Störungen im weltweiten Transport, allgemeine Schwierigkeiten in der Lieferkette und Bestandsprobleme verursacht wurden. Diese sorgen für eine Erhöhung der kurzfristigen Inflation, was aber nicht notwendigerweise bedeutet, dass sich daraus langfristige Inflationsprobleme ergeben. Unseres Erachtens ist es deshalb nach wie vor zu schwierig, genaue Aussagen zur Inflation zu treffen. Wir räumen jedoch ein, dass das Problem direkt in den Händen der Zentralbanker liegt, und wie die Geschichte lehrt, wird deren Reaktion eher rückwirkend als proaktiv ausfallen.


Das Dilemma der Zentralbanken

Wir verstehen das Dilemma, in dem sich die Zentralbanken befinden. Eine geldpolitische Vollbremsung würde nach einer solch beispiellos lockeren Geldpolitik voraussichtlich für eine Verwerfung auf dem Anleihemarkt und damit für noch mehr Marktvolatilität sorgen. Die US-Notenbank und andere Zentralbanken werden von genau der Liquidität in die Enge getrieben, die den Druck auf den Markt lindern sollte, und kann deshalb nur sehr schwer wieder entzogen werden.

Folglich waren die Märkte äußerst gespannt auf die aktuelle Stellungnahme des FOMC (Federal Oversight & Monetary Committee) vom Juni. Aus dem Protokoll der FOMC-Sitzung ergibt sich, dass die US-Notenbank weiterhin einen sehr friedfertigen Ansatz verfolgt (auch wenn der Ton des Protokolls unerwartet scharf ausfiel). Gleichzeitig wird die drohende Inflation durch eine Erhöhung der Inflationsvorhersagen und eine Erwartung höherer Zinsen im Jahr 2023 ins Auge gefasst. Das FOMC glaubt weiterhin an die vorübergehende Natur dieser Inflation und toleriert deshalb eine Weile, dass sich die Inflation „heiß läuft“.

Das Problem ist, dass es sich bei diesem „ergebnisorientierten“ Ansatz der US-Notenbank, auch bekannt als „wir warten, bis die Inflation da ist, bevor wir handeln“, um eine riskante Vorgehensweise handelt. Insbesondere deshalb, da sich einige herkömmliche Inflationskennzahlen angesichts der sich rasend schnell verändernden Weltwirtschaft und Technologie als unzuverlässig erweisen könnten.

Auch das Verhalten der Investoren lässt darauf schließen, dass viele nicht von diesem ergebnisorientierten Ansatz überzeugt sind. Das verwaltete Vermögen in inflationsgeschützten Exchange Traded Products ist, ausgelöst durch einen stark gestiegenen Kapitalzufluss seit Mitte 2020, im Laufe des vergangenen Jahres um 74 % gestiegen.


Diese Rekordzuflüsse zeigen außerdem, dass sich Inflationsängste von den Befürchtungen Einzelner zum Konsens wandeln. Ebenso spiegeln sie die Ansicht zahlreicher Investoren wider, dass die US-Notenbank und andere Zentralbanken möglicherweise hinter der Zeit zurück sind.

Unabhängig davon, wie hoch die Inflation ausfallen wird, besteht weiterhin das erhebliche Risiko, dass die Zentralbanker die Kontrolle über die Inflation verlieren könnten. Deshalb werden Inflationsabsicherungen immer beliebter, wie die oben erwähnten Kapitalflüsse zeigen. Es gibt eine kleine Auswahl von harten Vermögenswerten, die sich bei einem Inflationsanstieg gut entwickeln dürften. Unseres Erachtens ist Bitcoin einer dieser Vermögenswerte.


Bitcoin als Schutz vor Inflation

Aus konzeptioneller Sicht ist es sinnvoll, dass es sich bei Bitcoin um eine Absicherung gegen Inflation handelt. Ökonomen würden es als „Sachwert“ bezeichnen – ein Vermögenswert mit begrenztem und vorhersehbarem Angebot, dessen Preis häufig in US-Dollar angegeben wird. Wenn also die US-Dollar-Menge steigt, oder die jeder anderen Fiat-Währung, ist es wahrscheinlich, dass der Wert von Bitcoin gegenüber diesen Währungen steigt, auch wenn seine Kaufkraft stagnieren sollte.

Die Daten lassen den Schluss zu, dass Bitcoin beginnt, diese Rolle als Inflationsschutz auszufüllen. Betrachtet man die Kursveränderungen im Verhältnis zu den Inflationsschwankungen in Zeiträumen von zwei Jahren seit seiner Einführung 2009, zeigt sich, dass sich die Beziehung mit einem aktuellen R2 von 0.30 (seit 2019) verbessert. Die Beziehung zwischen Bitcoin und der Inflation ist derzeit übrigens besser als die zwischen der Inflation und Gold.


Durch eine Gegenüberstellung der Inflationsvorhersagen und der tatsächlichen Inflation erstellt Citi einen Index, der eine unerwartete oder „überraschende“ Inflation abbildet.

Bei einem Stand über null ist die Inflation höher als erwartet. Bitcoin besitzt ebenfalls eine frühe, aber potenziell überzeugende Beziehung mit unerwarteter Inflation. Unsere Analyse zeigt, dass Bitcoin auf eine unerwartete Inflation mit einem Kursanstieg zu reagieren scheint, wenn die tatsächlichen Inflationszahlen höher als erwartet ausfallen.


Wir räumen ein, dass die Beziehung zwischen Bitcoin und der Inflation zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich nicht eindeutig bestätigt werden kann, da der Probenumfang nicht groß genug ist. Abgesehen davon ist es interessant, dass sich die Beziehung mit der Zeit stetig verbessert. Dies verleiht dem Konzept, dass es sich bei Bitcoin um einen Sachwert handelt, zusätzlich Glaubwürdigkeit.


Bitcoin entwickelt sich als Vermögenswert weiter

Immer mehr spricht dafür, dass sich Bitcoin als Vermögenswert weiterentwickelt. Nach der aktuellen Stellungnahme des FOMC (16. Juni), in der ein unerwartet scharfer Ton angeschlagen wurde, entwickelten sich die Kurse auf sehr ähnliche Weise wie Gold. Dies zeigt, dass sich Bitcoin so verhält, wie die Investoren dies von einem Sachwert erwarten – durch eine Aufwertung bei einem sinkenden US-Dollar und umgekehrt.


Wir sind uns nach wie vor nicht genau sicher, wie sich die Inflation in den kommenden fünf Jahren entwickeln wird. Wir halten es jedoch für klug, Bitcoin und andere Sachwerte in ein Portfolio aufzunehmen, um es vor dem Risiko einer außer Kontrolle geratenen Inflation zu schützen. Das ursprüngliche Konzept des Inflationsschutzes von Bitcoin beweist sich nun durch eine zunehmende Partizipation der Investoren, wie die Verbesserung seiner Beziehung mit den Verbraucherpreisen zeigt.


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