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Von Eiskaffee und unsichtbarem Geld: Ein Einblick in die Stablecoin-Wirtschaft von Vietnam

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Die Verabredung im Café wirkt wie jede andere im Distrikt 1 von Ho-Chi-Minh-Stadt. Zwei unauffällig gekleidete junge Männer setzen sich mit Eiskaffee hin, während das laute Dröhnen der Motorroller durch eine Glastür dringt. Eine Viertelmillion Dollar wird in wenigen Minuten international versendet – ohne Bank, ohne Überweisung und auch ohne SWIFT-Code.

Bei dem Mechanismus handelt es sich um einen Stablecoin. Die Währung ist US-Dollar, die Technologie ist Blockchain. Ironischerweise ist Krypto in dem Land, in dem das Ganze geschieht, als Zahlungsmittel verboten. Die Transaktion in dem Café fand an einem ganz gewöhnlichen Werktag-Morgen im März statt, die Beteiligten wollten jedoch anonym bleiben.

Das ist Vietnam im Jahr 2026: ein finanzielles Paradox. Restauranttische und Marktstände sind von QR-Codes übersät. Die junge Mittelschicht der Stadt verzichtet bereits auf Bargeld – und die kommunistische Regierung rühmt sich der digitalen Transformation. Doch der schöne Schein trügt: Hinter den Kulissen zieht ein florierendes Finanzsystem die Fäden, das sich jeder Kontrolle entzieht.

Leo Pham, 35 Jahre alt, macht einen eher unauffälligen Eindruck. Er kommt 20 Minuten zu spät, doch entschuldigt sich sofort. Wir trafen uns im Cà phê Linh, einem gemütlichen Café, bekannt für dessen Salzkaffee und die Vintage-Dekoration mit alten Nähmaschinen der Marke Brother. In der Zwischenzeit bestellte ich mir einen Mosquito – beziehungsweise einen alkoholfreien Mojito. Pham sprach nur mit gesenkter Stimme zu mir, obwohl das Lokal sehr belebt war.

Er hat von innen miterlebt, wie diese parallele Wirtschaft heranwuchs. Der Gründer von SqrDAO, einer der aktivsten Web3-Communities Vietnams, hat Jahre damit verbracht, die Brücke zwischen der offiziell erlaubten Theorie und der praktisch gelebten Realität zu schlagen.

An den US-Dollar gebundene Stablecoins haben sich zur bevorzugten digitalen Währung entwickelt – als verlässlicher Wertspeicher und schnelle, kostengünstige Brücke zwischen der globalen Wirtschaft und Vietnams streng kontrolliertem Finanzsystem.

„Stablecoins tun das, was Bitcoin ursprünglich tun sollte“, sagt Pham. „Schnelles, programmierbares, grenzenloses Geld.“

Laut Daten von Chainalysis belegte Vietnam im Jahr 2025 weltweit den vierten Platz hinsichtlich der Krypto-Annahme – mit einem jährlichen Handelsvolumen von über 200 Milliarden US-Dollar.1 Krypto ist mittlerweile ein fester Teil des ökonomischen Alltags in dem südostasiatischen Land mit etwas mehr als 100 Millionen Einwohnern. Dennoch hat sich erst kürzlich eine formale rechtliche Anerkennung abgezeichnet, während es als Zahlungsmittel weiterhin verboten bleibt.

Digitales Gold für eine neue Generation

Um den Einfluss von Krypto in Vietnam zu verstehen, muss man verstehen, wie es davor dort war. Über Generationen hinweg haben die Vietnamesen – von Frankreich kolonisiert, vom Krieg gezeichnet und seit einem halben Jahrhundert von einer kommunistischen Partei regiert – gelernt, außerhalb offizieller Systeme zu überleben. Risikoabsicherung durch das Halten von Gold oder US-Dollar außerhalb des Bankensystems galt als finanziell vernünftig.

Der Devisenhandel wird durch strenge Kapitalkontrollen vom Staat sorgfältig überwacht. Auch wenn sich der Dong in den letzten Jahren stabilisiert hat, haben frühere Phasen der Inflation und Abwertung die Nachfrage nach Vermögenswerten verstärkt, die als widerstandsfähiger gelten.

Associate Professor Huy Pham von der RMIT University Vietnam erklärt, dass USD-gestützte Stablecoins sich nahtlos in diese Tradition einfügen. „Sie können als digitale Erweiterung dieser Präferenz für externe Wertanker verstanden werden.“

Für Vietnams jüngere, digital affine Generation sind sie wertvoll als Vermögenswerte außerhalb des Systems – portabel, grenzenlos und unabhängig von Entscheidungen der State Bank of Vietnam.

Der eigentliche Durchbruch kam 2021–2022, als die Krypto-Euphorie weltweit ihren Höhepunkt erreichte. In Vietnam schnellten die Handelsvolumina in die Höhe, als eine Generation von Freelancern, Entwicklern und Remote-Arbeitern erkannte, dass Stablecoins etwas boten, was ihre Bankkonten nicht konnten: Zugang zu US-Dollar, schnelle Transfers und Unabhängigkeit von Warteschlangen und bürokratischem Aufwand klassischer Überweisungsservices.

Die QR-Illusion: zwei Ökonomien, ein Land

Betritt man ein Café in Ho-Chi-Minh-Stadt, wirkt die offizielle digitale Ökonomie nahtlos. VietQR-Codes akzeptieren Zahlungen aus einem Dutzend Banking-Apps. Beliebte Apps wie Grab, Shopee und MoMo haben Smartphones in Wallets verwandelt. Die staatliche Vision einer „cashless society“ hat Substanz – digitale Zahlungsvolumina sind seit 2020 stark gewachsen und die finanzielle Inklusion hat zugenommen.

Doch die QR-Code-Ökonomie hat ihre Grenzen. Sie operiert in Dong, innerhalb nationaler Grenzen und unter staatlicher Aufsicht. Für die wachsende Gruppe von Vietnamesen, die in US-Dollar Geld verdienen, sind die offiziellen Zahlungsschienen schlicht unzureichend.

Ein freiberuflicher Entwickler aus der Küstenstadt Da Nang, der anonym bleiben möchte, erklärt, dass Stablecoins zu seinem Standard-Zahlungsweg geworden sind. „Die meisten meiner Kunden zahlen inzwischen in USDT. Es ist schneller, ohne Papierkram und ohne Rückfragen. Ich tausche nur den Betrag, den ich brauche, in Dong und behalte den Rest in Dollar. Wenn ich über eine Bank bezahlt werde, gibt es Verzögerungen, Gebühren und manchmal Nachfragen.“

Hier schließt der OTC-Markt die Lücke. In Da Nang, Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt agieren Stablecoin-Broker offen sichtbar. Diese sogenannten „Chain Agents“ konvertieren USDT in Dong, wickeln große Transfers zwischen Parteien ab, die sich nie begegnet sind, und ermöglichen grenzüberschreitende Kapitalflüsse, die das formelle Bankensystem nicht abbildet. Sie operieren in Cafés, über Telegram und über gewachsene Vertrauensnetzwerke. Dabei bewegen sie erhebliche Volumina.

„Stablecoins sind derzeit das, was digitalem Geld am nächsten kommt – so nutzen die meisten Menschen sie“, sagt Pham. „Der größte Use Case in Vietnam sind Überweisungen. Menschen werden aus dem Ausland in Stablecoins bezahlt und tauschen diese in die lokale Währung um.“ Der Off-Ramp, so erklärt er, kann ein OTC-Desk, eine Peer-to-Peer-Transaktion oder schlicht „irgendein Typ – ein Chain Agent“ sein.

Die Blockchain-Infrastruktur hinter einem Großteil dieser Aktivitäten ist TRON, das sich als dominantes Netzwerk für USDT-Transaktionen in Südostasien etabliert hat.

Laut Daten, die The Node von TRON zur Verfügung gestellt wurden, konzentriert sich die Aktivität stark auf Asien und entspricht einem annualisierten Transaktionsvolumen von nahezu 341 Milliarden US-Dollar.

2025 verarbeitete TRON nach eigenen Angaben in einem einzigen Monat über 320 Millionen Transaktionen – getrieben durch wiederholte Nutzung statt Einzelevents. Vietnam wird neben Indien, Pakistan und Indonesien von TRON als Kernmarkt identifiziert, in dem Stablecoins für Überweisungen, zum Sparen und für Peer-to-Peer-Transaktionen genutzt werden.

Das Dilemma der Partei: tolerieren, besteuern oder durchgreifen?

Die boomende, offene Nutzung von Krypto in Vietnam stellt die kommunistische Führung des Landes vor ein wachsendes Dilemma. Die Regierung hat Krypto 20182 als Zahlungsmittel verboten, jedoch das inoffizielle Ökosystem lange weitgehend toleriert.

Dieses fragile Nebeneinander tritt nun in eine neue Phase ein. Da die Krypto-Wirtschaft Vietnams inzwischen zu groß ist, um ignoriert zu werden, versucht der Staat, mehr Kontrolle über ein System zu gewinnen, das gerade durch das Fehlen dieser Kontrolle floriert hat.

Die Regierung arbeitet daran, erste lizenzierte Krypto-Börsen zu etablieren und gleichzeitig Regelwerke zu entwickeln, die den Handel auf ausländischen Plattformen für Bürger einschränken sollen.3

Die Hauptsorge sind Kapitalabflüsse. Vietnams striktes Devisenhandel-Regime dient dem Schutz des Dong und der Verhinderung von Kapitalflucht. Stablecoins stellen aus Sicht der Regulierungsbehörden eine direkte Bedrohung für dieses System dar.

„Kapitalkontrollen funktionierten sehr gut, solange es klare Engpässe im Devisenhandel gab“, sagt Michael Bacina, Spezialist für Digitalrecht bei NXT Law auf den Cayman Islands.

„Der Aufstieg von Krypto als Form von digitalem Bargeld bedeutet, dass traditionelle Systeme der Kapitalverkehrskontrollen nicht mehr so funktionieren werden wie früher – oder zumindest nicht mehr so effektiv, wenn überhaupt.“

Doch die politische Abwägung ist komplexer als ein simples Verbot. Kapitalzuflüsse nach Vietnam über Krypto werden toleriert und teils sogar stillschweigend begrüßt.

„Wenn das Geld nach Vietnam fließt, wird es aus ihrer Sicht hier ausgegeben – das ist in Ordnung“, erklärt Leo Pham. „Aber wenn Geld das Land verlässt, ist das eine andere Geschichte.“

Associate Professor Huy Pham ordnet den Wandel breiter ein: „Regulierung wird definieren, was rechtlich legal ist – aber Krypto wird zunehmend bestimmen, was praktisch ist.“

Durchsetzung findet statt – Menschen wurden wegen OTC-Krypto-Handels verhaftet. Dennoch läuft die Schattenökonomie täglich weiter – nicht im Verborgenen, sondern sichtbar in Cafés und auf Smartphones im ganzen Land.

Ein weiterer Treiber für Regulierung ist Kriminalität. Leo Pham formuliert es direkt: „Krypto stand bis vor ein oder zwei Jahren ziemlich weit unten auf der Prioritätenliste. Jetzt sind sie im Fokus, weil Cyberkriminelle und Kriminelle allgemein Krypto zunehmend zur Geldwäsche nutzen – und viele davon kommen nach Vietnam.“

Die geografische Lage Vietnams – an der Grenze zum weitgehend rechtsfreien Shan-Staat in Myanmar und in Reichweite der Scam-Zentren Südostasiens – kombiniert mit seiner Krypto-Infrastruktur hat internationalen Strafverfolgungsdruck ausgelöst.

Die Letzten werden die Ersten sein

Vietnam war das letzte der fünf größten Volkswirtschaften Südostasiens, das eine nennenswerte Krypto-Regulierung eingeführt hat – hinter Singapur, Indonesien, den Philippinen und Thailand. Nun holt das Land schnell auf. Die Regierung hat offiziell einen wegweisenden rechtlichen Rahmen zur Anerkennung digitaler und Krypto-Vermögenswerte verabschiedet. Das Gesetz über die Digital Technology Industry – verabschiedet im Juni 2025 und in Kraft seit dem 1. Januar 2026 – schafft die regulatorische Grundlage.

Bis März hatten laut einem von Reuters geprüften Dokument des Finanzministeriums fünf Brokerunternehmen eine erste Qualifikationsrunde bestanden4: verbundene Unternehmen von Techcombank, VPBank, LPBank, das Brokerhaus VIX Securities sowie der Konzern Sun Group.

Der regulatorische Plan5 orientiert sich klar an regionalen Vorbildern. Vietnam scheint ein Modell nach südkoreanischem Vorbild zu verfolgen, bei dem alle Transaktionen in lokaler Währung über lizenzierte inländische Exchanges abgewickelt werden müssen. Stablecoins bleiben vorerst in einer Grauzone – das Gesetz erkennt Fiat-gestützte Coins nicht an; ihre Regulierung soll separat stattfinden.

Laut einem Bericht6 des Bitcoin Magazine könnten globale Plattformen wie Binance und OKX Einschränkungen unterliegen, da die vietnamesischen Behörden Handelsvolumen auf Exchanges lenken wollen, die sie überwachen, besteuern und letztlich kontrollieren können.

Der Lizenzierungsprozess in Vietnam selbst ist langsam und aufwendig. Brancheninsidern zufolge kann es rund sechs Monate dauern, bis eine Exchange allein die erste Runde besteht.

Doch die Richtung ist klar – der Staat gewinnt wieder an Kontrolle.

Bacina beschreibt die Lizenzoffensive eher als Verbraucherschutzmaßnahme denn als Vorgehen gegen Krypto. Der OTC-Markt, derzeit sichtbar und unreguliert, stellt ein schwerwiegenderes Problem dar. „Wenn die Regierung wirklich hart durchgreifen wollte, wäre das durchaus möglich – aber es würde die Märkte in den Untergrund drängen“, warnt er. „Solange sie sichtbar sind, kann der Staat beobachten, was passiert, und es verstehen. Sobald alles im Untergrund stattfindet, wird es deutlich schwieriger zu verstehen oder zu regulieren.“

Trotz des Wachstums regulierter Exchanges dürfte der OTC-Markt aufgrund seiner Geschwindigkeit, geringeren Kosten und Flexibilität aktiv bleiben. Die meisten informellen oder Peer-to-Peer-OTC-Märkte bieten Nutzern mehr Privatsphäre als zentralisierte Exchanges wie Binance oder Coinbase, die vollständige KYC-/AML-Prüfungen verlangen. Sie werden auch häufig von großen Tradern – sogenannten „Whales“ – genutzt, um Slippage bei großen Orders zu vermeiden, die den Marktpreis bewegen könnten.

In Vietnam und anderen Teilen Südostasiens basiert der OTC-Handel oft auf langjährigen informellen Brokern mit etablierten Reputationen und persönlichen Netzwerken. Das Vertrauen in diese Beziehungen überwiegt häufig den Reiz neuer formeller Plattformen – insbesondere in Märkten, in denen sich regulatorische Rahmenbedingungen erst entwickeln.

Bewegung in der Grauzone

Derzeit wird das Krypto-Ökosystem weiterhin von Menschen geprägt, die Krypto lange vor dem Interesse der Regulierungsbehörden kennengelernt haben.

Ryan Pham – der einen in Vietnam sehr verbreiteten Familiennamen trägt – begrüßt mich enthusiastisch bei einem Eiskaffee. Der 34-Jährige beschreibt sich als Unternehmer, der mit Blockchain-Systemen arbeitet – ein typischer Archetyp der schnelllebigen Krypto-Underground-Szene Südostasiens. Seine Vertrautheit mit Krypto-nativen Systemen spiegelt eine Generation wider, die Finanzen über Protokolle statt über Institutionen gelernt hat.

„Ich nutze Krypto seit 2017“, sagt Ryan. „Damals waren Stablecoins noch nicht populär – sie waren eher wie Plattform-Token innerhalb von Projekten.“

Er nutzt Stablecoins sowohl für private als auch geschäftliche Zahlungsströme, einschließlich Finanzierungen aus internationalen Projekten. Eine Transaktion, die er mir zeigte, hatte einen Wert von rund 80.000 US-Dollar und stand im Zusammenhang mit einer Stiftung, die seine Arbeit unterstützt. In einem anderen Fall transferierte er etwa 100.000 USDT über die Plattform OKX.

Sein Einstieg in den praktischen Nutzen von Krypto war jedoch unspektakulär – er nutzte es 2018 zur Zahlung seiner internationalen Bildungsgebühren. „Über eine Bank hätte mich das etwa 140 US-Dollar an Gebühren gekostet“, sagt er. „Mit Krypto waren es etwa 2 US-Dollar, und die Überweisung war in 20 Minuten – statt in drei Tagen – da.“

Da Nang: die Web3-Frontier-Stadt

Während die Regierung versucht, sich einen Anteil an der Krypto-Wirtschaft zu sichern, bemüht sie sich zugleich, den Unternehmergeist, der sie antreibt, nicht zu ersticken.

Da Nang, eine Küstenstadt mit rund 1,3 Millionen Einwohnern, ist zentral für dieses Gleichgewicht. Wenn Ho-Chi-Minh-Stadt der Motor der Krypto-Wirtschaft Vietnams ist, dann ist Da Nang ihr experimentelles Grenzgebiet. Neben ihren Stränden ist die Stadt bekannt für französische Kolonialarchitektur und die Marmorberge, die sich aus der Küstenebene erheben. Doch sie hat sich auch zu einem Hub für digitale Nomaden, Blockchain-Builder und internationales Talent entwickelt, das sich zunehmend im Tech-Ökosystem Südostasiens bewegt.

„Da Nang hat diese Bali-ähnliche Atmosphäre, aber urbaner“, sagt Leo Pham, dessen Organisation die Stadt als physischen Hauptstandort gewählt hat. „Man hat das Meer, Berge, Altstadt – das zieht eine bestimmte Art von global mobilem Talent an. Viele digitale Nomaden – vor allem aus Europa – kommen wegen des Lifestyles. Es ist erschwinglich, gut vernetzt und hat diese internationale Energie.“

Die Attraktivität der Stadt für Web3 geht jedoch über Ästhetik hinaus. Während Hanoi das Zentrum regulatorischer Macht und politischer Einflussnahme bleibt, zeichnet sich Da Nang laut Pham durch eine offenere Haltung aus.

„Die Regierung dort ist ziemlich offen für neue Ideen … wenn es um Web3 geht oder um Events zu Zukunftstechnologien wie Blockchain, KI oder Halbleiter – das wird weitgehend dem privaten Sektor überlassen“, sagt er.

Da Nang ist zu Vietnams Krypto-Sandbox geworden – ein Ort, an dem Experimente möglich sind, während der Staat gleichzeitig die Aufsicht behält. 2025 wurde beispielsweise die digitale App Basal Pay7 genehmigt – die erste offizielle Krypto-Zahlungs-Wallet des Landes, die es ausländischen Besuchern ermöglichen soll, Krypto, einschließlich Stablecoins, in Dong zu tauschen.

SqrDAO hat eine staatliche Behörde8 als offiziellen Partner gewonnen und damit die rechtliche Grundlage geschaffen, Veranstaltungen mit internationalen Rednern auszurichten – ein Prozess, der anderswo in Vietnam deutlich mehr bürokratischen Aufwand erfordert.

Vietnams Pragmatismus auf die Probe gestellt

Die Stablecoin-Ökonomie existiert nicht isoliert. Sie wird von einer wachsenden finanziellen Infrastruktur getragen – Krypto-Debitkarten, Peer-to-Peer-Plattformen, OTC-Desks und Fintech-Integrationen –, die den Zugang zum digitalen Dollar für normale Vietnamesen zunehmend reibungslos macht. Krypto-Karten entwickeln sich dabei zu einem besonders pragmatischen Tool für kleine Teams und Freelancer.

„Krypto-Karten werden immer beliebter, weil sie simpel sind – man lädt Stablecoins auf und gibt sie aus, ohne durch mehrere KYC-Schichten zu gehen“, sagt Leo Pham. „Für kleine Teams oder Freelancer reicht das völlig aus. Man braucht keine vollständige Bankinfrastruktur – nur ein paar Tausend Dollar und eine Karte.“

Die gesamte Asien-Pazifik-Region (APAC) treibt diesen Trend voran. Laut Chainalysis stieg das gesamte Krypto-Transaktionsvolumen im asiatisch-pazifischen Raum bis Juni 2025 um 69 % auf 2,36 Billionen US-Dollar – angeführt von Indien, Vietnam und Pakistan.9 TRON-Daten zeigen, dass Retail-Transfers unter 1.000 US-Dollar während der asiatischen Tageszeiten 60–74 % der Aktivität ausmachen – ein Muster, das eher auf P2P-Zahlungen und Überweisungen als auf institutionelle Anleger-Spekulation hindeutet. Institutionelle Transaktionen zwischen 1.000–10.000 US-Dollar konzentrieren sich hingegen auf europäische, nahöstliche und asiatische Geschäftszeiten, was auf OTC- und Treasury-Aktivitäten außerhalb des US-Marktes hindeutet.

Vietnam bewegt sich von einem chaotischen, offshore-getriebenen Krypto-Markt hin zu einem kontrollierten, national regulierten System. Nachdem die Regierung beobachtet hat, wie Nachbarländer regulatorische Rahmenwerke aufgebaut haben, scheint sie zu dem Schluss gekommen zu sein, dass die Alternative – den Markt vollständig ausländischen Plattformen und unregulierten OTC-Netzwerken zu überlassen – riskanter ist als die Zulassung einer regulierten inländischen Industrie.

Pragmatismus in wirtschaftlichen Fragen war schon lange ein Markenzeichen der kommunistischen Führung des Landes. Städte wie Da Nang gestalten diesen Wandel aktiv mit und fungieren als Testlabore für das Zusammenspiel von Web3-Kultur und staatlicher Aufsicht.

Die grundlegende Spannung bleibt bestehen. Die Führung der Kommunistischen Partei Vietnams will den Dong schützen, Kapitalflüsse kontrollieren und verhindern, dass die Finanzinfrastruktur von Kriminellen missbraucht wird. Gleichzeitig hat die junge, unternehmerische und global vernetzte Bevölkerung bereits mit ihren (digitalen) Wallets abgestimmt.

Professor Huy Pham sieht das Ergebnis weder als Konfrontation noch als Kapitulation.

„Das wahrscheinlichste Ergebnis ist kein einfacher Wettstreit zwischen Staat und Markt, sondern ein Prozess begrenzter Anpassung“, sagt er.

Tanzeel Akhtar


1Chainalysis. 2025. „2025 Global Crypto Adoption Index.“ Chainalysis.

2CoinDesk. 2017. „Vietnam’s Central Bank Announces Ban on Bitcoin Payments.“ CoinDesk, 31 Oktober 2017.

3Reuters. 2026. „Vietnam Firms Vie for Crypto Licences as Hanoi Plans Ban on Overseas Trading.“ Reuters, 17. März 2026.

4Ibid

5PwC Vietnam. 2025. „Vietnam Cryptocurrencies.“ PwC Vietnam.

6Bitcoin Magazine. 2026. „Vietnam to Restrict Overseas Crypto.“ Bitcoin Magazine

7Fintech News Singapore. 2026. „Da Nang Crypto Sandbox.“ Fintech News Singapore.

8SqrDAO. 2026. „Da Nang’s Dual Engine: Linking the Local and Global.“ SqrDAO Blog.

9Chainalysis. 2025. „2025 Global Crypto Adoption Index.“ Chainalysis.

Veröffentlicht amMai 13th, 2026

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