Image Die Konvergenz von Bitcoin-Mining und KI: von der Krypto-Nische zur digitalen Energieinfrastruktur

Die Konvergenz von Bitcoin-Mining und KI: von der Krypto-Nische zur digitalen Energieinfrastruktur

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Bitcoin-Miner haben ein Jahrzehnt damit verbracht, genau das aufzubauen, was die KI-Wirtschaft heute am dringendsten benötigt: großskalige, leistungsdichte Rechenzentren. Diese Überschneidung verändert eine ganze Branche – und die Art und Weise, wie Anleger sie einordnen sollten.

Bitcoin-Mining ist der Prozess, durch den neue BTC in Umlauf gebracht und Transaktionen im Netzwerk validiert werden. Miner konkurrieren um die Lösung rechnerischer Rätsel, und der Gewinner erhält als Block-Reward neu geschaffene Bitcoins. Dieser Proof-of-Work-Mechanismus sichert das größte und erprobteste dezentrale Netzwerk im Bereich digitaler Vermögenswerte ab.

Doch Mining hat sich auch zu einer eigenständigen Branche mit eigener Ökonomie, eigener Lieferkette, eigener Energiestrategie und börsennotierten Unternehmen entwickelt. Und in den vergangenen zwei Jahren hat diese Branche ihre bislang bedeutendste Transformation durchlaufen: eine strukturelle Konvergenz mit künstlicher Intelligenz und High-Performance Computing (HPC). Was einst eine reine Bitcoin-Wette war, entwickelt sich zu etwas Größerem – einer Kategorie, die wir als digitale Energieinfrastruktur bezeichnen würden.

Die Ökonomie des Minings – kurz erklärt

Die Mining-Ökonomie beruht auf drei Variablen: dem Bitcoin-Kurs, dem Block-Reward und den Energiekosten. Das Halving im April 2024 senkte den Block-Reward von 6,25 auf 3,125 BTC, und neu ausgegebene Bitcoins machen weiterhin über 99 % der Miner-Erlöse aus, während Transaktionsgebühren nur den geringen Rest ausmachen.1 Gleichzeitig war der Wettbewerb noch nie so intensiv. Die Hashrate – die kombinierte Rechenleistung, die Miner im Netzwerk einsetzen – überschritt 2025 erstmals die Marke von 1 Zettahash pro Sekunde und bewegt sich weiterhin nahe an Rekordniveaus.2 Das entspricht einer 1 mit 21 Nullen. Würde jeder Mensch auf der Erde eine Berechnung pro Sekunde durchführen, bräuchte die Menschheit rund 4.000 Jahre, um das zu erreichen, was das Netzwerk heute jede Sekunde verarbeitet.

Miner sehen sich somit einem Geschäftsmodell gegenüber, bei dem der Ertrag pro Recheneinheit alle vier Jahre programmgesteuert gekürzt wird, während die Kosten für die Wettbewerbsfähigkeit weiter steigen. Die Gewinner waren stets Energie-Arbitrageure: Betreiber, die sich günstigen Strom sichern – häufig aus erneuerbaren, isolierten oder überschüssigen Quellen – und ihn in einen weltweit handelbaren digitalen Vermögenswert umwandeln.

Dieser Druck erklärt die weitere Entwicklung. Als ein neuer Kunde auftauchte, der bereit war, für genau jene Vermögenswerte, die Miner bereits besaßen, hochwertige, vertraglich gebundene und in Dollar denominierte Preise zu zahlen, hörte die Branche zu.

Warum die KI anklopfte

Die explosionsartige Nachfrage nach KI hat einen strukturellen Mangel an Rechenzentrumskapazität geschaffen. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2025 auf etwa 950 TWh bis 2030 nahezu verdoppeln wird, wobei KI der wichtigste Treiber ist. Zur Einordnung: Bis 2030 würden Rechenzentren allein etwas mehr Strom verbrauchen, als ganz Japan heute verbraucht, und in den USA sollen sie bis 2030 für fast die Hälfte des gesamten Zuwachses der Stromnachfrage verantwortlich sein.3

Die begrenzende Ressource sind längst nicht mehr die Chips. Es ist energiefähiges Land: Standorte mit gesicherten Netzanschlüssen, Hochspannungsinfrastruktur, Kühlkapazität und Stromabnahmeverträgen. Deren Genehmigung und Neubau dauert Jahre. Bitcoin-Miner haben – wie sich herausstellt – das vergangene Jahrzehnt damit verbracht, genau dieses Portfolio aufzubauen. Mining-Anlagen sind großskalige Rechenzentren, die auf Energiedichte und Wärmemanagement optimiert sind, mit Beziehungen zu Energieversorgern und Energieexpertise, die sich direkt auf das Hosting von KI-Infrastruktur übertragen lässt.

Vom Strategiewechsel zum Nachweis

Was als spekulatives Narrativ begann, hat sich zu vertraglich gesicherten Erlösen verfestigt. Core Scientific hat mit dem KI-Cloud-Anbieter CoreWeave zwölfjährige Hosting-Vereinbarungen mit einem Gesamtvertragswert von 10,2 Mrd. US-Dollar unterzeichnet.4 IREN sicherte sich einen fünfjährigen KI-Cloud-Vertrag mit Microsoft im Wert von 9,7 Mrd. US-Dollar, der NVIDIA-GB300-Einsätze auf dem Campus in Childress, Texas, umfasst.5 TeraWulf hat langfristige HPC-Hosting-Verträge im Wert von über 12 Mrd. US-Dollar angekündigt, und die HPC-Leasingerlöse übertrafen im ersten Quartal 2026 erstmals die Erlöse aus dem Bitcoin-Mining.6 Hut 8 unterzeichnete für seinen Beacon-Point-Campus in Texas einen 15-jährigen Mietvertrag mit einem berichteten Wert von 9,8 Mrd. US-Dollar.7

Über den gesamten börsennotierten Mining-Sektor hinweg übersteigt das kumulierte Volumen angekündigter KI- und HPC-Verträge inzwischen 70 Mrd. US-Dollar.8 Für eine Gruppe von Unternehmen, deren kombinierte jährliche Mining-Erlöse nur einen Bruchteil dieser Summe ausmachen, handelt es sich nicht um eine Randdiversifikation. Es ist eine Neugründung des Geschäftsmodells rund um zwei Nachfragetreiber: Bitcoin-Block-Rewards und vertraglich gesicherte KI-Rechenleistung.

Signed AI HPC contracts by listed bitcoin miners

Energie als gemeinsamer Nenner

Die tiefere Logik dieser Konvergenz ist Energie. Bitcoin-Mining war Vorreiter eines Modells der Energie-Kommodifizierung: der Monetarisierung von Strom an der Quelle, unabhängig von Standort oder Netzanbindung – einschließlich abgefackeltem Erdgas (Flaring) und überschüssiger erneuerbarer Erzeugung. Viele Mining-Betriebe fungieren zudem als Demand-Response-Ressourcen, die ihren Verbrauch drosseln, wenn Netze belastet sind, und dafür Erlöse erzielen.

KI-Rechenzentren konkurrieren nun um dieselbe knappe Ressource, jedoch mit einem anderen Anforderungsprofil: Sie benötigen feste, durchgängig verfügbare Energie und zahlen für Zuverlässigkeit statt für Flexibilität. Unternehmen, die günstige, skalierbare Energiekapazität kontrollieren, können daher gleichzeitig auf drei Märkten arbitrieren: Bitcoin-Mining, Hosting von KI-Workloads und Verkauf von Flexibilität an das Stromnetz. Da sich die globale Stromnachfrage – getrieben durch KI, Elektrifizierung und Datenwachstum – beschleunigt, ist diese Optionalität das nachhaltigste Kapital der Branche.

Was das für WGMI bedeutet

Diese Transformation ist der Grund, warum der CoinShares Bitcoin Mining ETF (WGMI) seine Strategie angepasst hat. Der Fonds investiert nun mindestens 80 % seines Nettovermögens in Wertpapiere von Bitcoin-Mining- und Digital-Power-Unternehmen und ersetzt damit seinen bisherigen ausschließlichen Fokus auf Bitcoin-Mining-Unternehmen.9

Die Definition der zulässigen Unternehmen wurde erweitert, um die oben beschriebene Konvergenz widerzuspiegeln. Sie umfasst nun Unternehmen, die Hyperscale-Rechenzentren betreiben, die für KI und andere Anwendungen konzipiert sind; Unternehmen, die an der Entwicklung, Herstellung oder Lieferung von Komponenten für den Betrieb von Rechenzentren und KI-Anwendungen beteiligt sind, einschließlich Halbleitern; Unternehmen, die an der Stromerzeugung, an Ausrüstung für Energieinfrastruktur und an Speicherlösungen beteiligt sind, die für den Betrieb von Rechenzentren wesentlich sind; sowie Unternehmen, die an Technologien des High-Performance- und Quantencomputings zur Unterstützung von KI-Workloads beteiligt sind.9 Der Fonds behält sich die Flexibilität vor, bis zu 20 % seines Nettovermögens in Unternehmen mit breiterer Bitcoin- oder digitaler Infrastrukturexponierung zu investieren.9

Das Anlageuniversum des Fonds wurde neu abgegrenzt, um der Entwicklung der Branche selbst zu entsprechen: vom Bitcoin-Mining als Krypto-Nische hin zum Bitcoin-Mining als eine Anwendung eines größeren Themas – digitale Energie- und Recheninfrastruktur.

Was Anleger im Blick behalten sollten

Die Konvergenz beseitigt das Risiko nicht; sie verändert dessen Form. Mining-Aktien bleiben operativ stark an den Bitcoin-Kurs gekoppelt und können in Abschwungphasen stärker fallen als Bitcoin selbst. Das KI-Hosting-Geschäft bringt neue Risikofaktoren mit sich: eine Kundenkonzentration auf eine kleine Zahl von KI-Vertragspartnern, Umsetzungsrisiken bei mehrjährigen Bauzeitplänen sowie Finanzierungsbedarf, der mit dem Ambitionsniveau gewachsen ist. Und auch die Nachfrage nach KI-Infrastruktur selbst wird sich, obwohl strukturell bedingt, nicht linear entwickeln.

Doch für Anleger, die Mining-Aktien bislang als eindimensionalen Bitcoin-Proxy betrachteten, ist dieses Verständnis inzwischen überholt. Der Sektor bietet heute eine multithematische Anlagestory: Exponierung gegenüber der Angebotsdynamik von Bitcoin, dem Ausbau der KI-Rechenkapazität und der laufenden Transformation der Art und Weise, wie Energie erzeugt, bepreist und verbraucht wird. Nur wenige Branchen befinden sich an diesem Schnittpunkt. Und noch weniger sind dort bereits mit den richtigen Vermögenswerten angekommen.


Quellen

1 Token Terminal, Daten zu Miner-Erlösen, Stand 11. Juli 2026

2 Hashrate Index / CoinWarz-Netzwerkdaten, Juli 2026

3 Internationale Energieagentur, Bericht „Energy and AI“, Aktualisierung 2026

4 Core Scientific / CoreWeave, Hosting-Vereinbarungen, Unternehmensmitteilungen

5 IREN, SEC-Formular 8-K, November 2025

6 TeraWulf, Unternehmensberichte, Q1 2026

7 Hut 8, Unternehmensmitteilung, Mietvertrag Beacon-Point-Campus

8 Aggregat angekündigter Branchenverträge, Unternehmensmitteilungen, Stand Juli 2026

9 CoinShares Bitcoin Mining ETF (WGMI), Verkaufsprospekt

Veröffentlicht amAug 18th, 2026

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